Kapitel An einem verborgenen Ort GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

An einem verborgenen Ort – Königskind

Ich bin kein Fehler.“ Toni Guard

Nach einem ereignisreichen Abend wachte Toni gut gelaunt in ihrem Zimmer im Schloss auf. Mit Jeschua, ihren FreundInnen aus dem Internat und Alisha, ihrer Zimmernachbarin, wollte sie eine Band gründen. Gott Vater, der hier über allem wachte, hatte sie gut darauf vorbereitet. Aber auch Ruach, die jederzeit überall war und sich leicht wie der Wind bewegte, erklärte ihr vieles, was sie brauchte, um ihren Weg selbstbewusst gehen zu können. Und Jeschua, Gott Vaters Sohn, der aussah wie ein Mensch,

begleitete sie bei ihren Schritten, die sich manchmal recht unsicher anfühlten. Mit der Zeit hatte Toni gelernt, wann immer sie nicht mehr weiterwusste, kam einer der Drei und half ihr. Nachdem sie ihr neues Kleid angezogen und sich für den Tag bereit gemacht hatte, lief sie die Stufen herunter, betrachtete sich kurz in der riesigen Eingangshalle im Spiegel und wechselte dann in das andere Gebäude, wo die Speiseräume lagen. Doch noch bevor Toni den großen Saal betreten konnte, fing ihr Freund Ramon sie ab.

„Was war das gestern?“, fragte er und blickte sie durchdringend an.

Toni musste lachen. Sie fühlte sich zu unbeschwert und auch zu gut, als dass irgendein anderes Gefühl sie hätte irgendwie gefangen nehmen können. Das, was manchmal geschah, wenn andere auf sie zutraten, denen es nicht ganz so gut wie ihr selbst ging.

„Das war der Anfang von einem großen Abenteuer“, grinste Toni und musste sich schlagartig daran erinnern, wie sie Ramon kennengelernt hatte.

Das war auf ihrer ersten Party hier oben gewesen, die Gott Vater allein für Toni gegeben hatte, nachdem Jeschua sie auf einer Müllkippe gefunden und irgendwann hierhin geholt hatte. Daraufhin hatte sich Ramon ihr geöffnet und eröffnet, dass er sie toll fände, was irgendwie verflogen zu sein schien. Und das, nachdem Toni ihn gefragt hatte, ob er Teil der Band werden wollte. Schlagzeug sollte er spielen, hatte Toni ihm angetragen, was Ramon wohl zu viel gewesen war. Wie vielleicht auch, zu einer Gruppe zu gehören, die Gott Vater feierte und von Jeschua Aufträge annehmen sollte. Die bestanden darin, andere Kinder ebenfalls hier nach oben zu holen, damit auch sie in Sicherheit, Frieden und überbordender Fülle leben konnten.

„Was ist denn mit dir?“, hielt Toni inne, letztlich erinnerte sie sich auch daran, dass sie gemeinsam mit Ramon und Jeschua in Jerusalem, der goldenen Stadt gewesen war.

Gemeinsam waren sie sogar durch das Löwentor geschritten, Hand in Hand. Danach waren sie in einem Café gewesen und hatten sich mit den Menschen dort unterhalten, ehe es wieder nach Hause ging. Toni war damals ins Internat zurückgekehrt, wo sie Willi und die anderen kennengelernt hatte, denen Ramon nur ein paar Mal begegnet war. Vielleicht bereitete ihm auch das eine Form von Unbehagen. Zumindest hatte Toni den Eindruck, dass er an irgendetwas zweifelte.

Da Toni sehr schnell war, mit ihren inneren Augen gut sehen konnte, vieles intuitiv begriff und gerne einen Schritt nach vorn tat, ohne groß zu überlegen, blickte sie ihn an und sagte unvermittelt: „Du bist kein Fehler, Ramon. Und auch ich bin kein Fehler. Niemand, den Gott geschaffen hat, kann ein Fehler sein, auch wenn uns das oft genug durch unsere Umwelt eingetrichtert wird. Wer das tut, ist der Widersacher Gottes, nicht aber unser himmlischer Vater, der immer nur das Beste für uns will.“

Von ihren Worten getroffen taumelte Ramon einen Schritt zurück.

„Wer bist du?“, stieß er aus, eine Frage, von der sich Toni fragte, ob er sie das nicht schon einmal gefragt hatte.

„Ich bin ein Kind Gottes, so wie du, ein Königskind, das mit dem Christus ein Reich auf Erden aufbauen wird, das nicht mehr vergehen wird“, antwortete sie prompt.

„Ach so?“, blies ihr Ramon seine Worte entgegen, was Toni an Ruach erinnerte, die immer so gut vermitteln konnte.

Also bat Toni im Innersten, dass Ruach kommen möge.

„Du glaubst vielleicht, dass du etwas falsch gemacht hast oder falsch sein könntest“, fuhr Toni fort, „aber das geht nie von Gott Vater aus, sondern von seinem Gegenspieler, den wir auf Erden so gut kennengelernt haben, dass wir glauben, er sei die Drei, also Gott Vater, sein Sohn Jeschua und der Heilige Geist Ruach. Aber das ist nicht so“, schüttelte Toni ihre schönen langen Haare, die an diesem Morgen wie Gold schimmerten. „Du kennst sie vielleicht noch nicht so gut, die anderen, mit denen ich im Internat war, aber ich kann sie dir vorstellen. Said malt und liest aus den Lebensbüchern von anderen vor. Greg tanzt und holt uns durch seine Bewegungen oft genug aus einer Form von Starre heraus. Naomi singt und vertont mit ihren Worten das, was viele gerade erleben oder erleiden. Miriam spielt Geige und bringt uns durch ihre Musik geradezu vor Gottes Thron. Und Shelly fertigt Skulpturen an, die dem eine Form geben, was wir uns vielleicht nur schwer vorstellen können. Willi habe ich in meiner Begabungsklasse kennengelernt, denn alle Kinder hat Gott Vater reich mit Talenten beschenkt, die wir hier oben – in Gottes Reich – den anderen ebenfalls zur Verfügung stellen sollen. Und dann gibt es noch Alisha, die du ja schon gut kennst, die mir wie eine Schwester geworden ist, mir alles gezeigt und mit mir geteilt hat, als ich hier oben angekommen bin. Aber auch du warst mir von Anfang besonders, Ramon, denn du warst oder bist der Freund, den ich mir immer gewünscht habe. Was haben wir schon alles zusammen erlebt, erinnere dich doch“, flüsterte Toni und hoffte, Ramon würde in dieser wichtigen Phase des Entstehens von so viel Neuem endlich verstehen, wer er war und wer er sein sollte.

So, wie Gott ihn geplant hatte, bevor ihm Menschen unten auf Erden sonst was mit auf den Weg gegeben hatten. Was Ramon vielleicht den Eindruck vermittelt hatte, er sei falsch oder hätte Dinge getan, die nicht mehr rückgängig zu machen waren. Aber um zu lernen, wie sie mit den Dreien alles wieder in Ordnung bringen konnten, war Toni im Internat gewesen. Dort hatten sie begonnen, auf verschiedenen Ebenen einiges zu bearbeiten und mit Jeschua Verbindungen zu löschen, die ihnen nicht guttaten. Zudem konnten sie über jede einzelne Ebene die Ebene der Drei legen, damit das wieder aktiv wurde, was verschüttet lag oder mit der Zeit kaputt gegangen war.

„Ramon“, setzte Toni erneut an, „erinnere dich doch daran, was Gott dir schon Gutes getan hat. Auch wenn ich mit den anderen im Internat gewesen bin, heißt das nicht, dass du etwa ausgeschlossen wärest oder etwas falsch gemacht hättest.“

„Du bist immer schon so viel weiter als ich“, senkte Ramon seine Schultern und blickte wie verloren auf die Steinfliesen.

„Aber das bin ich doch nur, weil ich viel schlimmere Dinge erlebt habe als du“, entgegnete sie. „Und weil die Drei bei mir schon so viel in Ordnung gebracht und mir einiges gezeigt haben, was ich vielleicht weitergeben soll, wie das geht – sich in diesem Reich der Gerechtigkeit auch wohlzufühlen. Dazu muss man vielleicht erst einmal verstehen“, senkte Toni ebenfalls ihren Kopf, „dass die, denen das Schlimmste angetan wurde, bei Gott immer ganz vorne stehen. Und dass in Gottes Reich des Friedens alles einfach genau andersherum ist als unten auf der Erde.“

„Alles andersherum?“, fragte Ramon verblüfft und blickte in Tonis Gesicht, das diese gerade wieder erhob, auch weil sie gelernt hatte, ihren Kopf dann anzuheben, wenn sie nicht mehr weiterwusste.

Und wie sie wusste, würde dann Jeschua kommen, auf den sie schauen sollten, wenn etwas kompliziert wurde. Ob das Situationen oder Gedanken waren, Wortwechsel mit anderen oder Momente, in denen alles anders schien, als man es sich erhoffte.

Wie erwartet tauchte Jeschua schon kurz darauf auf und begrüßte sie freudestrahlend.

„Fußball?“, lachte er Ramon entgegen, der ihn mit großen Augen ansah.

Was sollte denn jetzt Fußball, fragte sich der Junge, der sich überhaupt nicht mehr daran erinnern konnte, wann oder wie er hierhin gekommen war. Bei Toni war das anders gewesen, denn die hatte Jeschua höchstpersönlich abgeholt. Er war ihr in der äußersten Verzweiflung ihres Lebens sozusagen erschienen. Allerdings ließ sich Toni auch in alles einfach hineinfallen. Ramon hingegen wartete lieber erst einmal ab, bis die Dinge klarer wurden. Unklar war ihm derzeit, wie er auf dem Schlagzeug den Takt vorgeben sollte, ohne jemals im Internat gewesen zu sein, wo die anderen so vieles gelernt hatten, was ihm irgendwie fehlte. Als Ramons Gedanken zu kreisen begannen, wandte er sich an Jeschua und fragte: „Warum bin ich so anders?“

„Weil wir dich einzigartig geschaffen haben“, antwortete Jeschua und trat einen Schritt auf Ramon zu.

„Was haben sie zu dir gesagt?“, fragte Jeschua sanft.

„Dass ich zu nichts nütze bin“, antwortete Ramon und blickte zu Boden.

„Aber das ist nicht unsere Wahrheit über dich“, entgegnete Jeschua, hob Ramons Gesicht an, sodass der Junge ihn ansehen konnte und erklärte: „Du bist in unserem Ebenbild geschaffen, Ramon, also verfügst du über einige Eigenschaften, die auch uns auszeichnen.“

Im selben Augenblick bemerkte Toni im Hintergrund Stimmen, die zu singen schienen.

Als Toni versuchte, herauszufinden wer oder was das war, meinte sie zu erkennen, dass es die Anbetung von zahlreichen Menschen unten auf der Erde war, die Gott dafür lobten, wie er sie und wie er alles geschaffen hatte. Und ohne diesmal ins Nachrichtenzimmer zu Gott Vater zu wechseln, wo er ihr sonst immer zeigte, was unten auf der Erde geschah, sah Toni deutlich, dass Ramon an einer Kreuzung stand. Dort, wo er sich gerade befand, was vielleicht ein innerer Ort war, schien es die Möglichkeit zu geben, Entscheidungen zu treffen, die in den Untergrund, also den Hades  führten, was für Toni das Totenreich war. Aber um dort nicht landen zu müssen, gab es einen anderen, sehr schmalen Weg, der ganz zu Gott hin führte. Denn selbst wenn die Menschenkinder immer wieder hier oben bei Gott waren, mittels den Heiligen Geist, also Ruach, bedeutete das vielleicht trotzdem nicht, dass sie automatisch an den Ort gelangten, wo sie im Einklang mit sich selbst und in vollkommenem Frieden leben konnten. Offenkundig musste noch etwas mit oder in Ramon geschehen, ehe er das finden konnte, worauf die Band andere Kinder vorbereiten sollte: An einen verborgenen Ort der absoluten Sicherheit zu gelangen. Da Toni das für alle wollte, trat sie auf Jeschua zu und bat: „Jeschua, bitte gib Ramon Zugang zu all dem, was wir im Internat gelernt haben.“

Noch bevor Toni zu Ende gesprochen hatte, sank Ramon schon in sich zusammen. Er hatte nicht ins Internat gewollt, obwohl er dorthin eingeladen worden war. Aus irgendwelchen Gründe hatte er es vorgezogen, weiter mit den anderen Kindern zu spielen und es sich nur gut gehen zu lassen, wogegen nichts einzuwenden war. Es sei denn, ein anderes Kind sprach eine Einladung zu etwas Neuem aus, was unter Umständen die Drei initiiert hatten und worüber nachzudenken es sich durchaus lohnen konnte. Irgendwie aber hatte Ramon den Gong nicht gehört oder schlichtweg überhört.

„Wer hat dich abgehalten?“, fragte Toni und fühlte ein Feuer durch ihr Herz pulsieren, was sich so heiß anfühlte, als verbrenne sie selbst.

„Ich weiß es nicht“, schüttelte Ramon seinen Kopf, doch Toni spürte in ihrem Herzen, dass er es sehr genau wusste.

„Ihr hattet immer genug, hast du mir erzählt“, brach Toni das Schweigen, das sich wie eine dunkle Wolke über Ramon gelegt hatte. „Ihr hattet immer so viel, dass du alles hattest, von was du glaubtest, es sei genug und ausreichend. Nur das eine, das hast du nicht gehabt“, fuhr Toni fort, der die Röte ins Gesicht schoss: „Frieden“, äußerte sie gespannt wie ein Bogen, der gleich einen Pfeil fortschießen würde, der treffen sollte.

Denn auch dafür war Toni ausgesucht und ausgebildet worden. Mit Worten, die die Worte der Drei waren, so zu treffen, dass sämtliche Hochburgen der Lüge zertrümmert wurden, manchmal in einem einzigen Augenblick. In diesem Moment erkannte Toni, dass das Nachrichtenzimmer, in das Gott Vater sie einlud, nicht nur ein Ort war, an dem sie sehen konnte, was auf Erden geschah, sondern dass es vielmehr der Eingang zu dem Heiligsten war, was es überhaupt gab: Gottes Herz. Denn wer Gottes Herz erforschen wollte, erhielt Einlass dort hinein, wo nichts als Frieden war. Aber nicht nur Frieden war dort, sondern auch die Liebe und Annahme, um die sich so viele Menschen stritten oder einiges dafür taten, was nicht gut in den Augen des Vaters war. Das konnte Jeschua, Gottes Sohn, immer wieder ins rechte Verhältnis setzen und gerade rücken, stellvertretend für die Menschenkinder, die wohl mit sehr ähnlichen Dingen – oder Mächten – zu tun hatten. Letztlich ahnte Toni die Antwort, auch wenn die relativ schwer zu begreifen oder zu fassen war. Es war die umfassende und alles gebende Liebe des Vaters, die durch Jeschua Einlass in menschliche Bedingungen und Begrenzungen gefunden hatte, damit seine Kinder zurück zu ihm und dadurch an diesen Ort der Sicherheit, des Friedens und der Gerechtigkeit gelangen konnten. Das vermochte nur der Eine zu bewirken, der Drei in Einem war: Gott selbst. Der Gott, der den höchsten Preis für alle Menschenkinder durch seinen Tod am Kreuz bezahlt hatte.

„Das Kreuz ist leer“, stieß Toni aus, die es förmlich vor sich sah, ohne es ganz erfassen zu können. „Egal was war oder ist, Ramon, was du getan oder nicht getan hast, das Kreuz ist leer“, flüsterte sie.

„Das Kreuz ist leer, weil ich jetzt hier vor dir stehe“, nickte Jeschua, der Ramons Hände links und rechts nach oben führte, wodurch seine Löcher, die die eisernen Nägel der Kreuzigung in seine Hände geschlagen hatten, in dem unbeschreiblichen Licht jenes Morgens so deutlich hervortraten, dass Ramon, der bis dahin am liebsten einfach weitergespielt hätte, nicht anders konnte als zu erkennen, was damals auf Erden geschehen war. „Sie haben mich durchbohrt“, erklärte Jeschua, „weil sie nicht glauben konnten, dass es mich und dass es das alles gibt. Dass ich Gottes Sohn bin und dass ich das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, wie im Himmel und so auch auf Erden wieder aufbauen werde.“

„Weil die Menschen eher einen Terminator wollen“, musste Toni kurz auflachen, die es allzu deutlich vor sich sah.

Menschen sehnten sich danach, dass jemand mal so richtig mit der Faust auf den Tisch schlug und deutlich erklärte, wo es lang ging. Aber das war nicht der Gott, dem sie hier oben begegneten. Das war ein von Menschen geschaffenes Bild, die irgendwie oder irgendwo immer noch glaubten, dass Gewalt der Weg sei, sich Macht und Ansehen zu verschaffen. So jedenfalls würde hier oben keine Gerechtigkeit hergestellt werden, meinte Toni deutlich zu erkennen, die ebenfalls auf der Erde mit Gewalt geantwortet und jedes Mal verloren hatte. Irgendetwas zumindest schien Jeschua so zu berühren, dass Toni im Geist sah, wie es aus Jeschuas Herzen blutete, was der Vorhof zu Gottes allumfassendem Herzen war. Wer Jeschua nicht glaubte würde es schwer haben, diesem himmlischen Vater Glauben zu schenken. Allerdings war Glaube die Währung der Drei, auf die sie immer antworteten, teilweise mit einem großen Schritt, was Greg unter Umständen symbolisch tat, wenn er tanzte und jede Starre sofort wich. Waren alle erstmal etwas entspannter, ließen sie sich von Miriams Geigenspiel leichter zu der Tür führen, die der Christus, also ihr Erlöser war, auf den so viele hofften, ihn aber oft genug verwarfen. Dafür war Naomi da, die vieles von dem, was die Menschenkinder empfanden, gesanglich in Worte fasste, was Shelly durch ihre Skulpturen sichtbar machte und Said ausmalte, erst in Bildern und dann in Worten. Irgendwann ergab alles zusammen genommen einen Sinn, der es den Menschenkindern ermöglichte, nicht nur mit dem Verstand auf diesen Gott zu zutreten, sondern mit ihrem ganzen Sein. Und war die Verstandesschranke erst einmal durchbrochen, fiel es manchen nicht mehr so schwer, ihre Arme zu erheben und um Einlass zu bitten: In Gottes großes und großzügiges Herz, das jedem Menschen auf Erden jederzeit offen stand. Diese Öffnung war in Gottes Buch an seine Kinder, der Bibel, von verschiedenen Autoren dargelegt worden. Dort wurde sein Sohn Jeschua als die Wahrheit, der Weg und das Leben beschrieben. Und als das Spiegelbild Gottes, in dem sie nicht nur verwandelt wurden, sondern die Wahrheit über sich selbst wie auch über diesen unbegreiflichen Gott besser erkennen konnten. Zwar nur schrittweise, weil das insgesamt alles viel zu groß und auch zu herrlich war – aber immerhin. Jeder konnte das – nutzen, obwohl so viele Menschen und auch Kinder glaubten oder erklärt bekamen, sie dürften wiederum andere Menschen oder Kinder nutzen, um an ihr Ziel zu gelangen, woran Stolz, Neid und Selbsterhöhung der Menschen nicht ganz unschuldig waren. Zumindest konnte Toni das an Ramon sehen. Eigentlich war er zu stolz gewesen, ins Internat zu kommen, denn irgendwie dachte er, höher als die zu stehen, die sozusagen unterrichtet werden mussten.

Das alles sah Toni in einem einzigen Augenblick, den sie nicht gut in Worte fassen konnte, also kam Ruach, fasste Ramon bei seinen Händen und begann mit ihm zu tanzen, wie es Greg nicht hätte besser vormachen können. Und in diesen sanften, weichen und hingebungsvollen Bewegungen erkannte Ramon in seinem Herzen, dass es an ihm selbst, nicht aber an Gott Vater gelegen hatte.

Diese Liebe, mit der Ramon in jenem Augenblick des Tanzens erfüllt wurde, hatte mit nichts zu tun, was er jemals erlebt hatte. Vielleicht ging das auch erst einmal nur hier oben, warum es so wichtig war, überhaupt dorthin zu gelangen. Dazu war Tonis Band angelegt: um andere Kinder hierhin zu holen. Es gab zwar unzählig viele Bands auf Erden, die das auch taten, aber so wie Toni Gott Vater kennengelernt hatte, vervielfältigte er alles um ein Vielfaches. So tat er es auch mit ihren Talenten, sofern sie die einsetzten und anderen zur Verfügung stellten. In dem freien Willen, was auch immer damit zu tun – oder anzurichten – auch das sah Toni hier deutlich. Manche Kinder nutzten ihre Talente in einer Weise, die andere zu Fall brachten. Was Jeschua alles auflösen konnte, weil er das sozusagen am Kreuz getan hatte. Dieses Kreuz gab es hier oben nicht mehr, denn Jeschua war ja nun wieder lebendig, nachdem er drei Tage im Totenreich gewesen war und dort den Tod besiegt hatte. Auch darum ging es hier im zweiten Himmel, wo Toni mit den anderen schon war. Geistlich betrachtet natürlich, also mit ihrem Geist, der mit Gott Vater und dadurch mit diesem Ort verbunden war.

Der erste Himmel war der, den die Menschenkinder von der Erde aus sehen konnten. Der zweite Himmel war der, wo Jeschua gegen sämtliche Mächte kämpfte, die ihm entgegenstanden. Dort wurden die Urteile in seinem Namen gesprochen und konnten sämtliche unguten Bindungen gelöst werden. Im dritten Himmel schließlich waren sie ganz bei Gott Vater und an dem Ort, an dem ihnen nichts mehr geschehen konnte. Hier war auch die Ewigkeit, die irgendwann eine vergängliche Erde ablösen würde. Dann, wenn das neue Jerusalem, also das Reich Gottes, sein ewiges Reich, auf die Erde herabkommen und der Schöpfer aller Dinge alles neu machen würde. Damit würde Gottes Heilsplan vollendet, nicht aber die Pläne von Menschen, wie gut auch immer die gemeint waren oder sein sollten.

Auszüge aus ALLEN Geschichten

Kapitel I des Romans Sommerröte von Isabelle Dreher

Als die Flut kam

Joa hatte es ihr beigebracht: nicht zu verurteilen. Niemanden. Auch sich selbst nicht. Er führte sie an Orte, die sie ohne ihn nie gefunden hätte. Orte in ihrem Inneren, zu denen die Türen Zeit ihres Lebens verschlossen gewesen waren.

mehr lesen
Kapitel Streifen der Zerrissenheit Roman Sommerröte von Isabelle Dreher

Streifen der Zerrissenheit

Ohne es zu wollen, blickte Ceija auf die Wundmale des Mannes, der am Kreuz hing. Er war aus Holz und sah nicht gut aus. Eigentlich hatte sie sich nur eine kleine Auszeit von dem Geräuschpegel im Zelt, nehmen wollen den

mehr lesen
Kapitel In der Finsternis Roman Sommerröte von Isabelle Dreher

In der Finsternis

Lissy kniete auf dem Boden und dachte an ihren Pokal. Sie sehnte sich nach einem menschlichen Geräusch, nach einer menschlichen Stimme, die Gutes zu ihr sprach. Doch da war nichts als das kalte Echo der Mauern, das nackte Grauen vollkommener

mehr lesen
Kapitel Du musst für Gerechtigkeit sorgen Roman Sommerröte von Isabelle Dreher

Du musst für Gerechtigkeit sorgen

Joshua kam nach einer kräftezehrenden Nacht um zehn Uhr morgens in einem Staat an, der Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert hatte. Da er eine Kippa trug, die hierzulande wohl selten zu sehen war, freute er sich, in Berlin Frauen mit Kopftüchern

mehr lesen
Kapitel Liebe und Gleichgültigkeit

Liebe und Gleichgültigkeit

Samstagabend hatte Helena alle zu einem Festessen geladen, von dem sie sich auch versprach, dass Max auf die ein oder andere Weise mit dem Wachstum ihrer Familie fortan klarkommen, wenn nicht gar Frieden schließen würde.

mehr lesen
Kapitel Im Zeichen der Selbstverherrlichung Roman von Isabelle Dreher

Im Zeichen der Selbstverherrlichung

„Sehen Sie“, begann Frau Kalkstein.
Helena, die wirklich gut zuhören wollte, blickte auf den Mund der Frau und war einige Zeit damit beschäftigt, zu überlegen, woran sie dieses ‚Sehen Sie‘ erinnerte.

mehr lesen
Kapitel Ungezählte Destinationen Roman Winterfachen von Isabelle Dreher

Ungezählte Destinationen

„Einer hat mehrere Menschen mit Migrationshintergrund umgebracht und dann sich selbst“, informierte Nourina ihr Gegenüber, das neben ihr saß und konzentriert die Wirtschaftsmeldungen der vergangenen Stunden durchging.

mehr lesen
Kapitel Mit Leben getauft Roman Winterfachen von Isabelle Dreher

Mit Leben getauft

Als sie erwachte, musste Nourina so fürchterlich husten, dass ihr war, als bekomme sie keine Luft mehr. Nachdem sie sich aufgerichtet hatte und wieder atmen konnte, blickte sie sich in ihrem Schlafzimmer um und dachte darüber nach, was sie alles

mehr lesen
Kapitel Glaube ist eine Waffe Roman Winterfachen von Isabelle Dreher

Glaube ist eine Waffe

„Wie war denn dein Tag?“, fragte Ilay seine Frau, nachdem er alles gegeben hatte und sie in seinen Arm zog, nicht anders als es der Christus getan hätte.
„Schön“, flüsterte sie, noch immer benommen von den Momenten in Jerusalem, aber

mehr lesen
Kapitel In einem anderen Reich GoldenTor

Ich bin anders

Reglos stand das Mädchen vor der Müllkippe. Mit geschlossenen Augen nahm es den Geruch von Abfall, Verwesung und Eisen wahr. Wie ein Brechmittel kam ihr das vor.

mehr lesen
Kapitel Das Buch deines Lebens GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

Das Buch deines Lebens

„Ist das Eden?“, fragte Toni, als sie mit ihm durch das herrliche Tor schritt.
„Weißt du denn wo Eden liegt?“, fragte Jeschua lächelnd, der sie sicheren Schrittes nach drüben geleitete.

mehr lesen
GoldenTor-Geschichte Bei uns gelten andere Gesetze

Bei uns gelten andere Gesetze

„Du wirst leben und du wirst Leben im Überfluss haben“, hörte Toni Jeschua sagen, der noch immer hinter ihr stand und seine Hände wieder auf ihre Schultern gelegt hatte. 
Toni fühlte, wie Kraft von Jeschua ausging und etwas von ihm

mehr lesen
Kapitel Steigt herauf GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

Steigt herauf

Ephania Lopez war ganz Gastgeberin und begrüßte allesamt herzlich. Es waren etwa dreißig Kinder gekommen, über die die Direktorin vorher schon mit den Dreien gesprochen hatte.

mehr lesen
Kapitel Wie eine Wand GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

Wie eine Wand

Nachdem Toni eine Zeitlang im Ferieninternat gewesen war, wo sie vieles gelernt und auch Gott Vater, seinen Sohn Jeschua und den Heiligen Geist Ruach besser kennengelernt hatte, kehrte sie zurück ins Schloss, wo sie neben ihrer Freundin Alisha lebte.

mehr lesen
Kapitel Wieder vereint GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

Wieder vereint

Alisha und Ramon blickten sich erstaunt an und folgten dann Jeschua und Ruach. Toni blieb etwas ratlos zurück. Nach allem traute sie sich kaum zu fragen: Und was ist mit mir? Ihr Herz machte solch einen Lärm, den Gott Vater

mehr lesen
Kapitel Macht euch bereit

Macht euch bereit

Als Toni am nächsten Morgen in ihrem Zimmer im Schloss aufwachte fühlte sie, dass etwas tief in ihr wieder ganz war. Sie freute sich auf das Frühstück, auch wenn sie ihre Freunde aus dem Ferieninternat vermisste. Dafür war Alisha da.

mehr lesen
GoldenTor-Geschichte In einer Zeit wie diese

Die goldene Stadt

Nachdem Toni die Zeit ganz verloren hatte, nahm sie lichtdurchflutete Engel zu beiden Seiten des Weges und an den Seiten zum Eingangstor wahr. Darüber war eine goldene Tafel angebracht und auf der stand ‚Jeru Schalim‘, was so viel hieß wie

mehr lesen
Kapitel Siehe ich mache Neues GoldenTor-Geschichte von Isabelle Dreher

Siehe, ich mache Neues

Wie geduscht wachte Toni am kommenden Morgen auf und fand sich dem gegenüber, der sie wie eine Pflanze bewässerte.
„Wunder“, strahlte sie Jeschua an, „du tust Wunder über Wunder.“
„Nun bist du kein Waisenkind mehr“, strahlte der Strahlende Toni ebenfalls

mehr lesen